
Als sich die sozialdemokratischen Frauen Innsbrucks zu einer parteinahen zusammenschlossen, betraten sie damit keineswegs Neuland. Bereits im Mai 1898 tagte erstmals ein sozialdemokratisches Frauenreichskomitee in Wien. Ziel war es, ein beratendes Gremium zur Mobilisierung der Arbeiterinnenbewegung zur errichten und die Agitation unter den Arbeiterinnen voranzutreiben. Sie hielten eigene Frauenreichskonferenzen ab, die von der Parteileitung als Parteiinstitution mit selbstständigem Vertretungsrecht anerkannt wurden. 1911 fand der Reichsparteitag der Sozialdemokratinnen und -demokraten in Tirol statt und zeitgleich mit ihm die vierte Frauenreichskonferenz des Frauenreichskomitees. Da Tirol bis dato das einzige Kronland war, das noch keine eigene Landesfrauenorganisation besaß, beschlossen die Frauen vor Ort, darunter auch die spätere Landtagsabgeordnete Maria Ducia (1875–1959), diese Lücke zu schließen und eine sozialistische Dachorganisation zu gründen. Das Landesfrauenkomitee der SDAPÖ in Tirol war geboren und ein Nährboden war ebenso bereits vorhanden. Um 1912 waren schon 693 Frauen in Tirol in sozialdemokratischen Vereinigungen organisiert, davon 452 in Arbeiterinnenbildungsvereinen und 241 in Gewerkschaftsorganisationen, und generell schätzten die Sozialdemokratinnen die Lage in Tirol für ihre politische Arbeit günstig ein:
„Gerade in Tirol ist den Frauenorganisationen ein sehr weites Tätigkeitsfeld eingeräumt. Wenn Tirol auch sehr wenig Industrie hat, so finden wir doch kolossal viel Frauenarbeit. Es sei nicht vergessen, daß die größte Industrie, […], die Fremdenindustrie, viele hundert Frauen beschäftigt, vor allem auch Saisonarbeiterinnen, die deshalb sehr schwer für die gewerkschaftliche Organisation zu haben sind. In allen Kaufläden finden wir in der Ueberzahl weibliche Angestellte, […], weil sie viel billiger sind und weil sie nicht nur die Kunden bedienen, sondern auch […] alle möglichen Arbeiten [verrichten], die ein männlicher Angestellter nicht vornehmen würde.“ (Innsbrucker Nachrichten, Nr. 42, 21.2.1912, S. 4)
Das Landesfrauenkomitee beabsichtigte, Innsbruck vom „klerikalen Geist“ zu befreien, also gegen den politischen Katholizismus vorzugehen. Bei Hausbesuchen verteilten sie Informationsbroschüren oder Ausgaben der Wiener Arbeiterinnenzeitung, um die politischen Ideen der Partei der Bevölkerung näherzubringen. Sie planten auch Großversammlungen, bei denen aktuelle politische Themen, wie die Lebensmittelteuerung, die Einführung neuer Steuern oder die Wohnungsfürsorge besprochen wurden. Damit die Hausbesuche und Versammlungen möglichst effizient verliefen, gab es zusätzlich eine Monatsversammlung zur Schulung der Mitglieder. Das Frauenreichskomitee in Wien versendete hierfür Material oder Artikel aus der Parteizeitung an die einzelnen Landesfrauenorganisationen, die anschließend für den politischen Austausch genutzt wurden. Gerade die Verbreitung parteieigener Medien war ein wichtiger Bestandteil der sozialdemokratischen Vereinstätigkeit, „damit die neugewonnenen Mitglieder vor allem fester an die Organisation gefesselt werden können.“ Die Landesfrauenkomitees fungierten hierbei als Fixpunkt, an dem sich die übrigen parteinahen Frauenvereine inhaltlich orientieren konnten bzw. sollten und von dem sie auch jegliches Material zur Weiterbildung bezogen. Die Frauenorganisationen auf einer Linie zu halten war für die Sozialdemokratie von wesentlicher Bedeutung, denn gerade diese waren nicht nur ein wichtiger Bestandteil, wenn es um den Erhalt und die Weiterentwicklung der Frauenrechte ging, sondern die sozialistischen Frauen betrachteten das Bestehen derartiger Gruppierungen auch als Notwendigkeit für das Überleben der eigenen Partei:
„Es kann für die Partei nicht gleichgültig sein, in welchem Lager die Frauen stehen, nicht nur, weil sie immer mehr erwerbstätig und ihre Zahl unter der Arbeiterschaft stetig zunimmt, sondern weil wir überall sehen, daß die politische Rechtlosigkeit der Frauen zu schwinden beginnt und das Frauenwahlrecht zu allen Vertretungskörpern immer mehr der Verwirklichung entgegengeht. Wir müssen […] der politischen Erziehung der Frauen unsere größte Aufmerksamkeit zuwenden, damit sie nicht das reaktionäre Bollwerk werden, an dem der Aufstieg der Arbeiterschaft scheitern kann.“ (Volkszeitung, Nr. 70, 26.3.1913, S. 2)
Ein beliebter Treffpunkt für die Sozialdemokratinnen war im Übrigen das Arbeiterheim in der Mentlgasse 12. Dort traf sich auch regelmäßig der sozialdemokratische Bildungsverein für Frauen und Mädchen oder die parteieigene Kinderfreundeorganisation, zwei Frauenvereine, die ebenfalls dem Landesfrauenkomitee unterstanden.
Als sich die sozialdemokratischen Frauen Innsbrucks zu einer parteinahen zusammenschlossen, betraten sie damit keineswegs Neuland. Bereits im Mai 1898 tagte erstmals ein sozialdemokratisches Frauenreichskomitee in Wien. Ziel war es, ein beratendes Gremium zur Mobilisierung der Arbeiterinnenbewegung zur errichten und die Agitation unter den Arbeiterinnen voranzutreiben. Sie hielten eigene Frauenreichskonferenzen ab, die von der Parteileitung als Parteiinstitution mit selbstständigem Vertretungsrecht anerkannt wurden. 1911 fand der Reichsparteitag der Sozialdemokratinnen und -demokraten in Tirol statt und zeitgleich mit ihm die vierte Frauenreichskonferenz des Frauenreichskomitees. Da Tirol bis dato das einzige Kronland war, das noch keine eigene Landesfrauenorganisation besaß, beschlossen die Frauen vor Ort, darunter auch die spätere Landtagsabgeordnete Maria Ducia (1875–1959), diese Lücke zu schließen und eine sozialistische Dachorganisation zu gründen. Das Landesfrauenkomitee der SDAPÖ in Tirol war geboren und ein Nährboden war ebenso bereits vorhanden. Um 1912 waren schon 693 Frauen in Tirol in sozialdemokratischen Vereinigungen organisiert, davon 452 in Arbeiterinnenbildungsvereinen und 241 in Gewerkschaftsorganisationen, und generell schätzten die Sozialdemokratinnen die Lage in Tirol für ihre politische Arbeit günstig ein:
„Gerade in Tirol ist den Frauenorganisationen ein sehr weites Tätigkeitsfeld eingeräumt. Wenn Tirol auch sehr wenig Industrie hat, so finden wir doch kolossal viel Frauenarbeit. Es sei nicht vergessen, daß die größte Industrie, […], die Fremdenindustrie, viele hundert Frauen beschäftigt, vor allem auch Saisonarbeiterinnen, die deshalb sehr schwer für die gewerkschaftliche Organisation zu haben sind. In allen Kaufläden finden wir in der Ueberzahl weibliche Angestellte, […], weil sie viel billiger sind und weil sie nicht nur die Kunden bedienen, sondern auch […] alle möglichen Arbeiten [verrichten], die ein männlicher Angestellter nicht vornehmen würde.“ (Innsbrucker Nachrichten, Nr. 42, 21.2.1912, S. 4)
Das Landesfrauenkomitee beabsichtigte, Innsbruck vom „klerikalen Geist“ zu befreien, also gegen den politischen Katholizismus vorzugehen. Bei Hausbesuchen verteilten sie Informationsbroschüren oder Ausgaben der Wiener Arbeiterinnenzeitung, um die politischen Ideen der Partei der Bevölkerung näherzubringen. Sie planten auch Großversammlungen, bei denen aktuelle politische Themen, wie die Lebensmittelteuerung, die Einführung neuer Steuern oder die Wohnungsfürsorge besprochen wurden. Damit die Hausbesuche und Versammlungen möglichst effizient verliefen, gab es zusätzlich eine Monatsversammlung zur Schulung der Mitglieder. Das Frauenreichskomitee in Wien versendete hierfür Material oder Artikel aus der Parteizeitung an die einzelnen Landesfrauenorganisationen, die anschließend für den politischen Austausch genutzt wurden. Gerade die Verbreitung parteieigener Medien war ein wichtiger Bestandteil der sozialdemokratischen Vereinstätigkeit, „damit die neugewonnenen Mitglieder vor allem fester an die Organisation gefesselt werden können.“ Die Landesfrauenkomitees fungierten hierbei als Fixpunkt, an dem sich die übrigen parteinahen Frauenvereine inhaltlich orientieren konnten bzw. sollten und von dem sie auch jegliches Material zur Weiterbildung bezogen. Die Frauenorganisationen auf einer Linie zu halten war für die Sozialdemokratie von wesentlicher Bedeutung, denn gerade diese waren nicht nur ein wichtiger Bestandteil, wenn es um den Erhalt und die Weiterentwicklung der Frauenrechte ging, sondern die sozialistischen Frauen betrachteten das Bestehen derartiger Gruppierungen auch als Notwendigkeit für das Überleben der eigenen Partei:
„Es kann für die Partei nicht gleichgültig sein, in welchem Lager die Frauen stehen, nicht nur, weil sie immer mehr erwerbstätig und ihre Zahl unter der Arbeiterschaft stetig zunimmt, sondern weil wir überall sehen, daß die politische Rechtlosigkeit der Frauen zu schwinden beginnt und das Frauenwahlrecht zu allen Vertretungskörpern immer mehr der Verwirklichung entgegengeht. Wir müssen […] der politischen Erziehung der Frauen unsere größte Aufmerksamkeit zuwenden, damit sie nicht das reaktionäre Bollwerk werden, an dem der Aufstieg der Arbeiterschaft scheitern kann.“ (Volkszeitung, Nr. 70, 26.3.1913, S. 2)
Ein beliebter Treffpunkt für die Sozialdemokratinnen war im Übrigen das Arbeiterheim in der Mentlgasse 12. Dort traf sich auch regelmäßig der sozialdemokratische Bildungsverein für Frauen und Mädchen oder die parteieigene Kinderfreundeorganisation, zwei Frauenvereine, die ebenfalls dem Landesfrauenkomitee unterstanden.